Mit dem Roller um die Poller

4. September 1992

Unterhaltung pur boten 1992 dreißig Granit-Poller vor der Begegnungsstätte Altes Amtsgericht. Dauert es in anderen Städten oft  Jahre, bis Bänke, Laternen oder Poller aufgestellt werden, so geschah dies vor dem Amtsgericht in einer einzigen Nacht- und Nebelaktion. Der Alleingang des Bauamtes war weder mit dem Amt für Denkmalpflege noch mit den Ortsgremien abgesprochen worden. Unmut breitete sich aus.

„Die 30 Granit-Poller, die als Absperrung für unliebsame Autofahrer gedacht sind, passen nicht ins Bild und müssen umgehend wieder beseitigt werden.“ und  „Wir fordern ferner, dass die bereits angeforderten Bänke, Laternen, Fahnenmasten sowie der Brunnen auf keinen Fall mehr errichtet werden dürfen.“ tönte es aus der Bevölkerung.  „Was da passiert ist, ist ein starkes Stück” entrüstete sich der Ausschußvorsitzende Wilhelm Seele. Die Planungen hätten weder Poller noch Bänke und erst recht keinen Brunnen vorgesehen. „Der Platz vor dem Alten Amtsgericht“, so Seele, „soll vielmehr für Veranstaltungen freigehalten werden.“ 

Das Hin und Her der Meinungen um die Poller sorgte für ein unterhaltsames Sommertheater. Die ersten Novembertage besiegelten das Ende der „Wellenbrecher von Pollershagen“. Sie verschwanden auf dem Bauhof. Ob sie – wie es der Rat geplant hatte – in der Lahder Bahnhofstraße zum Einsatz kamen, konnte ein Vierteljahrhundert später nicht mehr geklärt werden. 

In den Akten der Kulturgemeinschaft fand sich kürzlich das entzückende „Pollerlied“, ganz im Stil der ortsüblichen Gebrauchspoesie. Hubert Horstmann hatte es eigens für den 4. September 1992 verfasst, um es mit den Anwohnern vor dem Amtsgericht zu  präsentieren. Hubert, du fehlst uns!

(Zusammengestellt anhand verschiedener Berichte des Mindener Tageblatts: 28.08.1992, 07.09.1992, 17.09.1992, 07.11.1992)  (UJ)