Ein Meisterwerk von Axel Plath (1905-1962)

23. Mai 1955

Petershagen im Zeichen surrender Filmkameras. Der „Internationale Filmdienst” ging den Menschen der Titularstadt nach.

Unsere kleine Weserstadt stand am Montag völlig im Zeichen surrender Filmkameras. Der CVJM unter Studienrat Axel Plath und Dr. Minia in der Organisation konnten einen vollen Erfolg buchen. Alt und jung war auf den Beinen, um der filmischen Reportage des „Internationalen Filmdienstes” beizuwohnen.

Bei der Herstellung des Films wurde absichtlich von der üblichen Form eines Kulturfilms abgewichen. Der Mensch in der Heimat war das Motiv aller Aufnahmen, wobei es den Kameramännern darauf ankam, diesen Menschen vor dem Hintergrund spitzgiebeliger Bürgerhäuser der kleinen romantischen Titularstadt im Treiben des Alltags festzuhalten. Zwischendurch wurde die Bevölkerung durch Marsch und Lied im Schallplattenton unterhalten und damit Zeit gewonnen zu neuen Perspektiven in der Gesamtaufnahme. Die Arbeit begann beim Bürgermeister. Anschließend fuhr der Filmwagen zu den Schulen, zum Kindergarten, zum Schloß, machte Aufnahmen von einzelnen Geschäften, kurbelte im Heisterholz und in der neuen Siedlung. Nachmittags filmte man auf dem Sportplatz eine DRK-Ubung. Dann schlossen sich turnerische und sportliche Vorführungen des TV „Gut Heil” und anderer Vereine an. Auch war der Wagen beim CVJM im Paul-Gerhardt-Haus und bei einer Schauübung unserer Freiwilligen Feuerwehr am Feuerwehrgerätehaus auf dem Marktplatz.

Der Höhepunkt aber war der Durchmarsch durch die Straßen der Stadt, der, angeführt von der Feuerwehrkapelle, einen festlichen Charakter hatte. Hunderte säumten die Straßen als der Zug vorbeizog. Freiwillige Feuerwehr, der Schifferverein, Männergesangverein, DRK (m. und w.), der CVJM, die weibliche Jugendschar und die „Falken” waren beteiligt. Unter den vielen Fahnen und Wimpeln fiel der Kanuklub besonders auf, der neben Paddeln auch ein Boot im Zuge mitführte. Abschließend waren dann die Tonaufnahmen im überfüllten Paul-Gerhardt-Haus. Frischer Gesang der Jugend, das Lied der Chöre, die Märsche der Feuerwehrkapelle und das Weserlied, geblasen von den Trompetern W. Prüßmeyer und Detering, wurden hier auf Band festgehalten.

Mit dem Kommando: „Achtung! Schneiden! In fünf Sekunden letzte Aufnahme!” verabschiedete sich die Filmgesellschaft, die hofft, daß diese filmische Reportage uns hier im Spätherbst vorgeführt werden kann. (Mindener Tageblatt, Mai 1955)