2026 | Zoltan Székessy (1899-1968) - Genius der Zeit (1954)

Inmitten der Wirtschaftswunderzeit stiftete der Düsseldorfer Bildhauer Zoltan Székessy (1899-1968) den Mindenern die Skulptur „Genius der Zeit“. Sie blickt seit 1954 vom Gebäude der Sparkasse, auch alte Stadtsparkasse genannt, auf den Kleinen Domhof herab. Da dieses Gebäude in Kürze abgerissen werden soll (MT 23.01.26 u.a.), erfolgte eine Anfrage des Petershäger Ortsheimatpflegers über geplante Maßnahmen zum Erhalt der Skulptur. Eine Antwort der Verwaltung über die Zukunft des Kunstwerkes steht aus.

Der „Genius der Zeit“ wurde 1954 der Öffentlichkeit übergeben. Es schloss sich eine lebhafte Diskussion in der Mindener Presse um Fragen der zeitgenössischen Kunst und Ästhetik an – vergleichbar mit der Kontroverse um das Keilstück von Wilfried Hagebölling auf dem Martinikirchhof. Die Auseinandersetzung, die mit unterschiedlichem Anspruchsniveau geführt wurde, inspirierte den Kunsthistoriker Jürgen Soenke zu einer Groteske, die er für das Zimmertheater der Künstlergruppe der Gorgonen auf dem Schloss Petershagen verfasste. Sie trug den Titel „Genius der Zeit oder Das Tagesgespräch einer Stadt. Groteske um eine symbolische Figur, vorerst in zwei Bildern“ und erschien 1955 bei Ising in Minden. Es wäre zu wünschen, dass dieses Kunstwerk an anderer Stelle erhalten bliebe und die Geschichte der „vorerst zwei Bilder“, wie Soenke es nennt, um eine weitere Geschichts- und Sinnebene ergänzt werden kann. (Uwe Jacobsen)

Zoltan Székessy (1899–1968)
Zoltan Székessy war ein ungarisch-deutscher Bildhauer und bedeutender Vertreter der figurativen Plastik des 20. Jahrhunderts. Geboren am 7. März 1899 im ungarischen Dombiratos, erhielt er seine künstlerische Ausbildung zunächst in Budapest und anschließend an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er unter anderem bei Richard Langer studierte. Weitere prägende Stationen waren die Burg Giebichenstein in Halle bei Gerhard Marcks sowie die Kunstakademie München. 1929 ließ sich Székessy dauerhaft in Düsseldorf nieder. Sein Werk ist geprägt von einer klaren, humanistischen Formensprache und einer tiefen Verpflichtung gegenüber dem Menschenbild. Auch in Minden hinterließ Székessy bleibende Spuren: 1954 schuf er hier die Skulptur Genius der Zeit, die bis heute öffentlich am Gebäude der Stadtsparkasse am Kleinen Domhof zu sehen ist.

Während der Zeit des Nationalsozialismus geriet er trotz offizieller Aufträge in Konflikt mit der Kulturpolitik; eine seiner Skulpturen wurde 1939 als „entartet“ diffamiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg schuf er zahlreiche Plastiken, Brunnen und Mahnmale im öffentlichen Raum, darunter mehrere Denkmäler für die Opfer des Nationalsozialismus.

Von 1952 bis 1964 lehrte Székessy als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf und prägte eine Generation von Bildhauern. Für sein künstlerisches und gesellschaftliches Wirken wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Großen Bundesverdienstkreuz.
Zoltan Székessy starb am 18. Dezember 1968 in Düsseldorf. Sein Werk steht bis heute für Maß, Würde und Verantwortung in der Kunst des öffentlichen Raums. (Durch künstliche Intelligenz generierte Zusammenfassung der Wikipedia-Seite) 

Das Mindener Tageblatt berichtet am 19. Mai 2007
„Die Stadtsparkasse Minden hatte ihren Sitz am Kleinen Domhof. Das Gebäude, zuvor Wohnhaus des Fabrikanten Noll, war 1928 durch die Stadt für die Sparkasse gekauft und umgestaltet worden. Nach Kriegszerstörung folgten Umbau und Einbeziehung von Nachbargrundstücken. 1953 waren diese Arbeiten abgeschlossen. 1954 folgte dann auf der Ecke des Gebäudes der „Genius der Zeit.“ Die Bronzeplastik des Jünglings mit dem Stundenglas war vom Düsseldorfer Künstler Zoltan von Székessy geschaffen worden und sollte laut MT vom 15. November 1954 für die Vergänglichkeit alles Irdischen stehen.

Bei der Enthüllung wollte Székessy seine Plastik „zwischen Dom und Rathaus als den Baudenkmalen der Vergangenheit und Gegenwart nach den schweren Geschehnissen der zurückliegenden Jahre“ – gemeint waren der Zweite Weltkrieg und seine Folgen – „als den Wächter und Schützer der Zukunft sehen“. Auch die damals recht aktive Kulturvereinigung der „Gorgonen“ um den Mindener Dr. Jürgen Soenke regte die Plastik zu einem Theaterstück „Genius der Zeit oder das Tagesgespräch einer Stadt“ an. 

Für Székessy gab es in Minden 1955 ein weiteres Betätigungsfeld. Gemeinsam mit dem Architekten Werner March gestaltete der Düsseldorfer die neue Kanzel im Mindener Dom, die bis 1993 stand. Der aus Ungarn stammende Düsseldorfer Bildhauer Zoltan von Székessy (1899-1968) gestaltete 1954 die Bronzefigur „Genius der Zeit“ für die damalige Stadtsparkasse Minden. Die etwa 3 Meter hohe Figur ist auf der gerundeten Gebäudeecke des Hauses Kleiner Domhof 8 gut 4,70 m über dem Boden angebracht. Sie zeigt die stilisierte Figur eines Jünglings, der seinen linken Arm über den Kopf erhoben hat und in der Rechten eine vergoldete Sanduhr hält. Zwischen Knien und Füßen befindet sich der Schild des Stadtwappens, bei dem Adler und gekreuzter Schlüssel durch Vergoldung hervorgehoben sind. Die Vergoldungen sind nach 53 Jahren etwas verblasst.“ (Quelle: MT 19.05.2007)

Quellen

  • Staatliche Kunstakademie Düsseldorf (Hrsg.): Zoltán Székessy als Lehrer. Düsseldorf 1962.
  • Fischer: Zoltan Székessy. (= Monographien zur rheinisch-westfälischen Kunst der Gegenwart, Bd. 30.) Wend Verlag, Recklinghausen 1965.
  • Robert Pudlich: Bilder, Aquarelle und Zeichnungen. Gerhard Marcks, Zoltan Székessy, Plastik und Zeichnungen. Katalog zur 36. Ausstellung bei Karl Buchholz, Berlin 1939.
  • Zoltán Székessy. Skulpturen, Zeichnungen. Ausstellungskatalog, Galerie Vömel, Düsseldorf 1978.
  • Stefanie Schäfers: Vom Werkbund zum Vierjahresplan. Die Ausstellung „Schaffendes Volk“, Düsseldorf 1937. Droste Verlag, Düsseldorf 2001.
  • Deutsche Digitale Bibliothek: Einträge zu Sitzendes Kind und Knabe mit Taube.
  • Public Art Wiki: Eintrag Genius der Zeit (Minden).
  • NDR: Lieb & Teuer, Sendung vom 2. Dezember 2018 (Beitrag zu Skulpturen von Zoltan Székessy).

Zoltan Székessy (1899–1968): Genius der Zeit (Werkaufnahme 1954). Sammlung der Ortsheimatpflege Petershagen.